Die Arbeit als Hebamme erfordert ein tiefes Verständnis für die physiologischen und emotionalen Prozesse rund um Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett – sowie ein feines Gespür für individuelle Bedürfnisse. Immer mehr Frauen wünschen sich eine umfassende, ganzheitlich orientierte Betreuung. Die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) bietet hierfür wirkungsvolle und bewährte Konzepte, die sich gut in die moderne Hebammentätigkeit integrieren lassen. Mit dieser modular aufgebauten Fortbildung schaffen wir ein solides Fundament, auf dem sich das Wissen über Akupunktur, Arzneitherapie, Diätetik und energetische Diagnostik systematisch erweitern lässt.


Die Ausbildung richtet sich an Hebammen, die ihre fachliche Kompetenz im Bereich der integrativen Medizin vertiefen möchten – ohne dabei dogmatisch oder esoterisch zu arbeiten. Vielmehr geht es um die praxisnahe Anwendung fundierter Prinzipien, die sich im klinischen Alltag bewähren und evidenzorientiert ergänzt werden. Im Mittelpunkt stehen dabei der verantwortungsvolle Umgang mit Akupunkturtechniken, die sichere Anwendung qualitätsgesicherter Rezepturarzneien in Schwangerschaft, Geburtshilfe und Wochenbett sowie ein differenziertes Verständnis der TCM-Diagnostik.


Die Seminare sind bewusst so konzipiert, dass bereits erworbenes Vorwissen systematisch vertieft und um geburtshilflich relevante Anwendungen erweitert wird. Gleichzeitig eröffnet er Perspektiven für eine achtsame, körpernahe Betreuung, die sowohl auf Erfahrung als auch auf klaren methodischen Grundlagen basiert. Damit bietet diese Fortbildung nicht nur theoretisches Wissen, sondern auch unmittelbaren Nutzen für die tägliche Praxis – zum Wohle der betreuten Frauen und der beruflichen Weiterentwicklung.

I. Basiskurs
Der Basiskurs Chinesische Medizin führt systematisch in die Welt der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) ein. Ausgehend von ihren philosophischen und kulturellen Grundlagen bis hin zur praktischen Anwendung vermittelt der Kurs ein umfassendes Verständnis dieser jahrtausendealten Heilkunst.
Im Zentrum steht zunächst das ganzheitliche Weltbild der TCM, das den Menschen als untrennbare Einheit von Körper, Geist und Umwelt begreift.

Im Vordergrund stehen u.a.:

• Yin und Yang in Physiologie, Pathologie und Therapie

• Die fünf Wandlungsphasen

• Die energetischen Qualitäten der Wandlungsphasen Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser

• Grundlagen der Diagnostik in der Chinesischen Medizin (acht Leitkriterien und vier diagnostische Methoden) Die diagnostischen Methoden der TCM bilden einen wesentlichen Schwerpunkt. Die vier klassischen Untersuchungstechniken - Befragung, Betrachtung (inklusive Zungen- und Antlitzdiagnostik), Palpation (Puls- und Bauchdiagnostik) sowie Hören und Riechen - werden praxisnah vermittelt. Besondere Aufmerksamkeit gilt den acht Leitkriterien (Ba Gang), die als diagnostisches Raster zur Einordnung von Krankheitsmustern dienen. Die Zungendiagnostik wird vertieft durch die Analyse von Farbe, Belag, Form und Feuchtigkeit.

• Krankheitsursachen in der Chinesischen Medizin (Innere, Äußere und andere Krankheitsursachen. Die Pathologie der TCM betrachtet Krankheitsursachen aus einer einzigartigen Perspektive. Äußere Einflüsse wie klimatische Faktoren (Wind, Kälte, Hitze etc.) werden ebenso berücksichtigt wie innere Ursachen (Emotionen) und Lebensstilfaktoren.

• Physiologie und Pathologie der Substanzen (Qi, Xue–Blut, Jing–Essenz, Shen–Geist, Jin Ye–Flüssigkeiten/Säfte); Ursprung, Funktion und Pathologie. Das Konzept der vitalen Substanzen - Qi, Blut (Xue), Essenz (Jing), Geist (Shen) und Körperflüssigkeiten (Jin Ye) - bildet die Grundlage zum Verständnis von Gesundheitsstörungen. Typische Funktionskreismuster, etwa Leber-Qi-Stagnation oder Milz-Qi-Schwäche, werden detailliert besprochen.

• Die Theorie der Funktionskreissyndrome (Zang–Fu Syndrome)


II. Grundlagen der Akupunktur und des Leitbahn-Systems

• Der Kurs beginnt mit den theoretischen Grundlagen des Leitbahnsystems. Hier werden die zwölf Hauptleitbahnen mit ihren spezifischen Verläufen, Organzuordnungen und energetischen Funktionen detailliert erläutert (Lu-Di-Ma-MP; He-Dü-Bl-Ni; Pe-3E-Gb-Le). Diese werden in Zusammenhang mit den tendino-muskulären Leitbahnen sowie den Luo-Gefäßen als wichtigen Kollateralen beschrieben. Die drei Energieumläufe, das dorsale System mit den Zustimmungspunkten (Shu), die ventralen Alarmpunkte (Mu) werden in das Yin-Yang-System eingeordnete.

• Die wichtigen Sonderleitbahnen Ren Mai, Du Mai, Chong Mai und Dai Mai werden vorgestellt. Die verschiedenen Punktkategorien werden mit ihren spezifischen Indikationen besprochen, die die Unterscheidung bei Behandlungskonzepten zwischen Nah-, Fern oder Ashi-Punkten bei Schmerzzuständen werden erläutert.

• Spezifische Akupunkturpunkte und Punktgruppen: He (Ho)-Punkte, Mu-, Shu- Punkte, Chinesische und Europäische Meisterpunkte, Nah- und Fernpunkte, A-Shi-Punkte

• Spezifische und relevante Punkte für den Einsatz in der Schwangerschaft, Geburt und Wochenbettbetreuung, incl. Lokalisation und relevante Indikationen in der Geburtshilfe, mindestens: Lu7,9; Di4,10,11,20; Ma15,16,18,25,36,40,44; MP6,9 He7; Dü1,3; Bl23,25,28,31,40,60,62,67; Ni1,3,6,7,16 Pe6,7; 3E5; Gb21,30,34,41; Le3 Ren Mai1,3,4,6,12,17; Du Mai3,4,14,20,26

• Extra-Punkte: Ex-P Sishencong, Ex-P Yintang, Ex-P prä axillärer Brustpunkt

• Praktische Lokalisationsübungen der vermittelten Akupunkturpunkte

• Stichtechniken und Verschiedene Nadelstimulationstechniken werden demonstriert und geübt.

• Kontraindikationen, Nebenwirkungen, Gefahren und Notfallsituationen

• Die Praxis der Akupunktur und Moxibustion, einschließlich der Hygienevorschriften und mögliche Komplikationen. Sicherheitsaspekte wie Sterilisationsprotokolle, Umgang mit Einmalnadeln, Management von Nebenwirkungen und Notfallsituationen, rechtliche und ethische Aspekte wie Dokumentationspflichten, Aufklärung über Risiken und berufsrechtliche Rahmenbedingungen.

• Begleittherapien wie Elektrostimulation und Moxibustion werden erläutert.

• Prophylaktische Möglichkeiten der Chinesischen Medizin

TeilnehmerInnen lernen Grundkonzepte zu Behandlungen von Notfällen wie Kreislaufkollaps, Blutdruckregulation, Ödembehandlung, Sodbrennen, Obstipation, Schlafstörungen, Kopfschmerzen, HWS, BWS und LWS, Lumboischialgien, Karpaltunnel-Syndrom und zur Rauchentwöhnung. Der Dialog zwischen TCM und moderner Medizin wird durch aktuelle Forschungsergebnisse bereichert, wobei auch Grenzen und Kontraindikationen der TCM kritisch reflektiert werden.


III. Akupunktur in Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett

• Ausgewählte, relevante Funktionskreissyndrome (Zang–Fu Syndrome) für die Geburtshilfe: Allgemeiner Qi-Mangel; Herz: Blut-, Yin- Mangel, Hitze; Milz/Magen: Qi-Mangel, Feuchtigkeit, rebellierendes Magen-Qi; Leber: Qi-Stagnation, Blut-Stagnation, Blut-Mangel; Niere/Blase: Essenz-Jing-Mangel, Yin-Mangel, Yang-Mangel, Qi-Mangel – Physiologie und Pathologie des außergewöhnlichen Organ Uterus: Kälte im Uterus, Blut Stase

• Die Besonderheiten des Uterus als "außergewöhnliches Organ" und Störungsmuster wie Kälte im Uterus oder Blut-Stase werden ebenso behandelt wie therapeutische Ansätze bei Menstruationsbeschwerden oder Fertilitätsstörungen.

Der Kurs zur spezifischen Akupunkturbehandlung richtet sich an Hebammen und ÄrztInnen, die ihr Wissen in der Akupunktur im geburtshilflichen Kontext vertiefen möchten. Voraussetzung ist die Teilnahme am Seminar „Akupunktur und Leitbahnsystem“. Im Mittelpunkt des Curriculums steht die spezifische Anwendung der Akupunktur bei häufigen Beschwerdebildern und funktionellen Störungen in der Schwangerschaft. Dazu gehört zunächst die Behandlung der Hyperemesis gravidarum. Ziel ist es, das vegetative Gleichgewicht wiederherzustellen, Übelkeit zu lindern und den Allgemeinzustand der Schwangeren zu stabilisieren. Ein weiteres relevantes Feld ist die adjuvante Akupunktur bei plazentaren Durchblutungsstörungen. Bei Lageanomalien des Fötus, insbesondere der Beckenendlage (BEL), wird Akupunktur häufig in Kombination mit eingesetzt. Diese Methode ist besonders zwischen der 32. und 35. Schwangerschaftswoche. Ein zentraler Bereich der Anwendung ist die geburtsvorbereitende Akupunktur, die etwa ab der 36. Schwangerschaftswoche angeboten wird. Die Weheninduktion mittels Akupunktur wird dann relevant, wenn eine sanfte, nichtmedikamentöse Unterstützung des Geburtsbeginns erwünscht oder notwendig ist. Während der Geburt findet geburtsbegleitende Akupunktur Anwendung zur Unterstützung der physiologischen Prozesse, Schmerzreduktion und Stabilisierung des Geburtsverlaufes. Hierbei werden Punkte genutzt, die Wehenschmerzen lindern, emotionale Anspannung regulieren und den Geburtsfortschritt harmonisieren. Im Fall von Wehenkoordinationsstörungen oder einer Cervixdystokie kann Akupunktur helfen, den harmonischen Verlauf der Eröffnungsphase zu unterstützen, den Muttermund weich zu stimmen. Auch in der Nachgeburtsperiode spielt Akupunktur eine wichtige Rolle – etwa bei Plazentalösungsstörungen.

Im Wochenbett ist die Anwendung der Akupunktur besonders vielseitig. So kann sie bei postpartalem Harnverhalt helfen, die Blasenfunktion zu reaktivieren und die autonome Regulation zu stimulieren. Bei Laktationsstörungen und Funktionsstörungen der Brust kommen tonisierende sowie lokal wirksame Punkte zur Anwendung, die das Milch-Qi mobilisieren, lokale Stauungen lösen und schmerzhafte Zustände lindern können – etwa bei beginnender Mastitis. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Förderung der Uterusrückbildung, bei der Akupunktur helfen kann, stagnierende Prozesse zu aktivieren, Lochienfluss zu regulieren und das Qi der Mitte zu stärken. Ebenso kann Akupunktur zur Behandlung von Erschöpfungszuständen im Wochenbett eingesetzt werden.


IV. Grundlagen Arzneitherapie und Diätetik

Der Kurs hat zum Ziel, ein fundiertes Verständnis der Prinzipien, Wirkweisen und Anwendungen pflanzlicher Arzneimittel sowie diätetischer Konzepte zu vermitteln. Zu Beginn des Kurses erhalten die Teilnehmenden eine Einführung in die historischen Wurzeln der Arzneikunde der Chinesischen Medizin, die deren Tiefe und Kontinuität verdeutlichen. Ein besonderer Schwerpunkt des Kurses liegt auf der chinesischen Diätetik, die als eigenständige, aber eng mit der Arzneitherapie verwobene Disziplin behandelt wird. Lebensmittel werden ähnlich wie Arzneien nach Geschmack, Temperaturverhalten und Organbezug klassifiziert. Der Kurs zeigt auf, wie Nahrungsmittel gezielt eingesetzt werden können, um pathologische Muster zu korrigieren. Die Diätetik ist integraler Bestandteil der Prävention und Genesung – insbesondere bei chronischen Erkrankungen. Neben theoretischem Wissen erhalten die Teilnehmenden praxisbezogene Empfehlungen, wie z. B. die Auswahl geeigneter Getreide, Gemüse, Früchte und Gewürze bei unterschiedlichen Syndromen. Ein zentrales Kapitel des Kurses ist die energetische Beurteilung von Arzneien und Lebensmitteln anhand ihrer Geschmacksrichtungen (süß, scharf, bitter, salzig, sauer, neutral), ihres Temperaturverhaltens (kalt bis heiß) und ihrer Wirktendenzen (emporhebend, absenkend, innen- oder außenwirksam). Diese Eigenschaften dienen nicht nur der Charakterisierung einzelner Arzneien, sondern bilden das Fundament für eine gezielte therapeutische Anwendung. Im Anschluss wird die systematische Ordnung der Arzneimittel behandelt und die Teilnehmenden lernen den Aufbau traditioneller Rezepturen kennen. Ergänzt wird das Curriculum durch eine Einführung in die Terminologie der chinesischen Arzneitherapie. Dabei geht es um die Namensgebung nach Pflanzenbestandteilen, Geschmack, Wirkung, Farbe, Herkunftsort oder mythologischen Bezügen. Als letzter, aber sehr wichtiger Anteil des Seminars wird über die Qualitätssicherung der Chinesischen Arzneitherapie informiert, damit die Teilnehmer und Herkunft und qualitative Überprüfung der Arzneien beurteilen können und ihren PatientInnen sichere und gehaltvolle Arzneien verordnen können.
Dieser Kurs eignet sich auch als Erweiterungskurs für bereits akupunkturerfahrene Hebammen, die sich in pflanzlichen Arzneitherapie fortbilden möchten.

 
V. Chinesische Arzneitherapie in Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett: Bewährte Rezepturarzneimittel und deren Anwendungen

Die Integration der Chinesischen Arzneitherapie in die Hebammenarbeit bietet eine wertvolle Ergänzung zur konventionellen Betreuung von Frauen während Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett. Ein speziell konzipierter Kurs über zehn Unterrichtseinheiten zielt darauf ab, Hebammen die sichere und effektive Anwendung von Fertigmischungen aus qualitätsgesicherten und geprüften Wirkstoffen zu vermitteln. Zu Beginn des Kurses wird das bereits vorhandene Wissen der Teilnehmerinnen über die Grundlagen der Chinesischen Arzneitherapie vertieft und auf die besonderen Anforderungen in der Geburtshilfe ausgerichtet. Ein Schwerpunkt liegt auf der Auswahl und Anwendung von Fertigarzneien, die den besonderen physiologischen Bedingungen während der Schwangerschaft und im Wochenbett gerecht werden. Hierbei werden Indikationen wie Schwangerschaftsübelkeit, Schlafstörungen sowie postpartale Erschöpfungszustände und Stillprobleme u.a. behandelt.

Ein zentraler Aspekt des Curriculums ist die sichere Verordnung dieser Fertigmischungen. Die Teilnehmerinnen lernen, wie sie die Qualität der Präparate beurteilen, die richtige Dosierung festlegen und mögliche Wechselwirkungen sowie Kontraindikationen erkennen. Besonderes Augenmerk wird auf die Einhaltung gesetzlicher Vorgaben und berufsrechtlicher Rahmenbedingungen gelegt, um die Patientensicherheit zu gewährleisten und haftungsrechtliche Risiken zu minimieren. Um das Verständnis für ganzheitliche Behandlungskonzepte zu fördern, werden Erkrankungsmuster des weiblichen Körpers unter TCM-Aspekten erläutert. Dieses Wissen fördert das Verständnis für ganzheitliche Behandlungskonzepte und unterstützt die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit anderen Gesundheitsberufen. Durch praxisnahe Fallbesprechungen wird das theoretische Wissen gefestigt und die Anwendung im beruflichen Alltag erleichtert. Dieser Kurs eignet sich auch als Refresherkurs für bereits TCM-erfahrene Hebammen.